Wilhelm Ostner – eine Biographie

Wilhelm (Willy) Ostner, seit 1927 mit seiner Fahrzeugfabrik in Dresden-Pieschen ansässig, stellte bis 1936 Motorräder und ab 1932 auch Nutzfahrzeuge her.
1937 verlegte er seinen Firmensitz erst nach Brand-Erbisdorf und 1948 nach Sulzbach-Rosenberg (Bayern).
Dort wurde seine Firma 1955 von den Faun-Werken übernommen.

Willy Ostner wurde am 12. Dezember 1889 in der 1904 nach Neuwied/Rhein eingemeindeten kleinen Ortschaft Heddesdorf geboren. Nach dem Schulbesuch, einer anschließenden Schlosserlehre und nur kurzer Tätigkeit in diesem Beruf, wechselte Ostner 1912 in die „Automobilbranche“. Zunächst arbeitete er in Antwerpen beim belgischen Luxusautoproduzenten „Minerva“, danach als Reisemonteur in einer Vergaserfabrik. Am 1. August 1914 wurde er zum Militär einberufen, im Oktober 1914 bei Ypern (Westflandern) schwer verwundet und Ende 1917 wegen Malaria felddienstunfähig geschrieben. Noch im gleichen Jahr heiratete Willy Ostner die in Dörrental/Kreis Werschetz (Serbien) geborene Elisabeth Nagy. In der Ehe wurden zwei Töchter geboren.

1919 verzog er nach Dresden (Kleine Plauensche Gasse), besuchte die Technische Hochschule und war seit 1920 bei der Firma Steiger (Kraftfahrzeughersteller) in Burgrieden bei Ulm angestellt.

Im Jahr 1921 machte er sich selbstständig, betrieb 1922 mit seinem Bruder eine Kraftfahrzeughandlung auf der Strehlener Straße in Dresden und besaß seit 1923 eine kleine Fahrrad- und Armaturenfabrik im Hintergebäude des Hauses Leipziger Straße Nr. 154 in Pieschen. Er selbst wohnte inzwischen auf der Dohnaer Straße in Leubnitz-Neuostra. Vom Produktenhändler Friedrich Arthur Voigt erwarb er am 22. Dezember 1926 das 1897/98 erbaute Grundstück Bürgerstraße Nr. 56 und verlegte seine Fahrrad- und Armaturenfabrik dorthin. Auf diesem und dem gegenüberliegenden Grundstück begann 1927 Willy Ostners „Erfolgsgeschichte“. Die O. D. Werke (Ostner, Dresden) machten sich einen Namen. Im Jahr 1932 nahm er die Produktion von Nutzfahrzeugen (Abb. Eintonner, REX 4) auf und fuhr die Herstellung von Motorrädern allmählich zurück, stellte sie 1936 schließlich ganz ein. Steigende Produktionszahlen waren ihm Anlass, 1935 das Firmengrundstück der ehemaligen „Tafelglaswerke“ in Brand-Erbisdorf zu übernehmen und dort Nutzfahrzeuge unterschiedlicher Typen herzustellen.

Noch bevor das Werk in Brand-Erbisdorf 1952 unter Treuhand gestellt wurde, nahm Willy Ostner in Sulzbach-Rosenberg (Bayern) seinen Wohnsitz und baute sich 1947/48 eine neue Fahrzeugfabrik auf. Diese wurde am 1. Mai 1955 von den Faun-Werken (Fahrzeugfabriken Ansbach und Nürnberg) übernommen.

Willy Ostner starb am 16. Februar 1959 in Sulzbach-Rosenberg, die Familienangehörigen verzogen nach Belgien.

Anmerkung: Nach 1945 befanden sich im Grundstück Bürgerstraße Nr.56 das Autohaus Orginalartikel aus NordwestrundschauWalter Röthig (Hauptvertretung und Vertragswerkstatt 70 für Automobile und Motorräder der BMW-Werke München), die Firmen Lösche & Schubert (KfZ – Reparatur) und Martin Ernst (Kfz - Reparatur). Mitte der 1950er Jahre wurde aus dem Autohaus Röthig der VEB Autoreparaturwerk Dresden Werk I (EMW- und Sachsenring-Kraftwagen). Im Grundstück waren auch die Betriebsleitung und die Verwaltung untergebracht. Das Werk II hatte auf der Löbtauer Straße Nr.34-38 seinen Sitz. Es war für die Reparatur von EMW- und AWO- Krafträder sowie Pobeda, Skoda und Moskwitsch zuständig.

Der Autor bedankt sich sowohl für die mündlichen Auskünfte als auch die Bereitstellung von Schriftstücken bei Frau Claudia Franz (Marbella/ Spanien), Herrn Johannes Hartmann (Sulzbach-Rosenberg) und Herrn Tobias Hölzer (Dresden). 

Mit freundlicher Genehmigung der "Nordwest-Rundschau"  und des Autors : Dipl.-Päd. Klaus Brendler (Dresden)